Emotionale Abstumpfung durch Computerspiele ?

Die soziale und psychische Ablösung gegenüber den Eltern, die mit der Pupertät vollzogen wird, beginnt heute bekanntlich früher als in vorherigen Generationen. Gleichzeitig ist aber das Leben in modernen Industriegesellschaften für Menschen aller Altersgruppen im Vergleich zu früheren Epochen unübersichtlicher geworden. Eindeutige Normen und Werte, feste Zugehörigkeiten und Milieus, kalkulierte und klare Abfolgen von persönlichen Lebensschritten, sichere moralische und ethische Standarts, eindeutige soziale Vorbilder- alle diese wichtigen Voraussetzungen für den Aufbau einer Persönlichkeit fehlen heute oft.

„Das „moderne Individuum“ benötigt eine hohe Flexibilität der Orientierung, sowie eine ausgeprägte Kapazität der Selbststeuerung mit der Fähigkeit, das eigene Handeln selbstwirksam zu beeinflussen. Der junge Mensch kann diese Situation produktiv bewältigen, wenn er eine hohe Virtuosität des Verhaltens und der Problemverarbeitung entwickelt, um mit unterschiedlichen Wahrnehmungen und Anforderungen in verschiedenen Situationen und Lebensbereichen umzugehen und dabei einen Weg für sich selbst zu finden.“

…und was ist nun wenn der Alltag neben Schule, Beruf und sonstigem hauptsächlich aus „Killerspielen“ am Computer besteht?  Gibt es tatsächlich einige unter der Generation von Jugendlichen, die ihre sensible Phase „verzocken“ und statt dessen vor dem Computer sozial und emotional abstumpfen?

These: „Actionspiele sind unglaublich schnell und fixieren den Spieler auf Exzesse des virtuellen Tötens und Orgien der Gewalt, die einer sensiblen und humanen Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken. Abstumpfung ist nur ein Effekt von Gewalt in Computerspielen.“

Was denkt ihr, kann das exzessive spielen einiger Games wirklich Emotionen und Verhaltensmuster nachhaltig beeinflussen?

Ein paar Meinungen und die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen zum Thema, findet ihr hier…

www.sueddeutsche.de

www.uni-bielefeld.de

www.wordpress.com

www.ladas.de

www.ooe.gv

Quellen:

Kongressbeitrag, IOS-Landeskongress, TFH Wildau: Jugendliche heute: Lebenssituation, Werteorientierungen und berufliche Einstellungen

Welche Spiele wirken sich positiv/negativ aus?

Actionspiele (z.B. Ego-Shooter):

Viele gehen davon aus, dass Ego-Shooter Games nur negative Auswirkungen auf den Menschen ausüben. Die häufigsten negativen Auswirkungen sind Gewaltverherrlichung bzw. Gewaltverharmlosung und Aggressionssteigerung. Es gibt aber auch Studien die beweisen, dass es auch durchaus positiv auf Menschen wirken kann.

 

Hier ein paar Beispiele: 

  • können die Auffassungsgabe und die Hand-und Augen-Koordination verbessern
  • steigern das Reaktions- und Sehvermögen zum Beispiel nach einem Schlaganfall
  • Aggressionen können abgebaut werden und die räumliche Wahrnehmung wird verbessert

 

Adventurespiele:

  • verharmlosen Gewalt, steigern das Reaktionsvermögen und fördern die Kreativität

 

Strategiespiele:

  • verharmlosen häufig die Gewalt
  • fördern die Kreativität und das räumliche Vorstellungsvermögen

 

Sportspiele:

  • steigern das Reaktionsvermögen und verbessern die Auge-Hand-Koordination 

 

Sonstige PC-Spiele (Bsp.): 

  • Puzzle (Verbesserung des räumlichen Vorstellungsvermögens)
  • Lernspiele (Lernerfolg und Wissensvermittlung)

 

 

Hier ein paar Beispiele für allgemeine Auswirkungen von Computerspiele:

 

positive Auswirkungen:

  • Aggressionsabbau
  • steigern die Reaktionsgeschwindigkeit und das räumliche Vorstellungsvermögen,
  • sowie die Hand- und Augen-Koordination
  • verbessern die Auffassungsgabe
  • Wissensvermittlung, Lernerfolg
  • fördert die Kreativität

 

negative Auswirkungen:

  • Spielsucht
  • Realitäts- und Kontrollverlust
  • Schlafstörungen
  • Aggressionsförderung durch Gewalt in Spielen (Gewaltverharmlosung/ Gewaltverherrlichung)
  • Haltungsschwächen und -schäden (besonders bei Kindern)
  • Bewegungsmangel (z.B. Übergewicht, Kopf- und Rückenschmerzen)
  • Vernachlässigung anderer Interessen und sozialer Bindungen

 

 

 

 

Quellen:

Universität Ulm – Auswirkungen von Computerspielen

www.medienbewusst.de – gesundheitliche Auswirkungen von Computerspielen

de.wikipedia.org – Ego-Shooter

Jugendschutz und Indizierung

Hier werden euch kommentierte Links zum Thema Jugendschutz im Internet und die Indizierung von Computerspielen vorgestellt.

Beim Spieleratgeber werden Computerspiele von Pädagogen bewertet.

Das Ziel von Spielraum ist es, einen Beitrag zur Entwicklung der Medienkompetenz von Pädagogen und Lehrern in Hinblick auf Computer- und Videospiele zu leisten und diese in die Lage zu versetzen, Kinder und Jugendliche zu einem angemessenen Umgang mit Bildschirmspielen anzuleiten.

Rechtslagen und Indizierungsverfahren könnt ihr auf der Seite der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien erfahren.

Hier gibt es Seiten von wikipedia und InterCafe die indizierte Computerspiele listen und auf der ihr euch über Inhalt und Grund der Indizierung informieren könnt.

Zum Thema Jugendschutz im Internet können ihr bei jugendschutz.net Materialien downloaden.

Bei Kicksafe können sich Internetnutzer über die kompetente und kritische Nutzung von Internet und Neuen Medien informieren.

Durch Änderungen des § 15 Abs.2 des Jugendschutzgesetzes werden gewaltverherrlichende Computerspiele nun noch genauer eingegrenzt.

Ich hoffe diese Sites helfen euch bei euren täglichen Streiftouren durch das World Wide Web.

Umfrage zum Thema Computerspiele

Den Fragebogen, den wir an 66 verschiedene Personen geschickt haben, findet ihr hier:

Hier gehts zur Umfrage

Und hier findet ihr die Diagramme zu einigen Fragen der Umfrage:

Wie viele Spieleaccounts besitzt du?

Bild 1

Welche Spielemedien nutzt du?

Bild 2

Welche Spiele spielst du, hast du zuletzt gespielt?

Bild 3

Würdest du ein Spiel nicht mehr spielen, wenn es verboten wird?

Bild 4

Und hier eine Auswahl von Freiantworten auf einzelne Fragen:


Sammelst du Spielgenres?

„Fantasy/Rollenspiele“

„Generell Skurriles und Independent-Spiele, Jump’n’Runs und Action-Adventures/reinrassige Point’n’Click-Adventures, dabei natürlich immer ausreichende Qualität vorausgesetzt, viele der Spiel sind heutzutage ziemlich lieblos gemacht, man muss also zwischen der Massenware die Perlen rauspicken.“


Hast du schon mal eine gewisse Wirkung nach dem Spielen empfunden?

„Beruhigende Wirkung, Ablenkung von Streß, Liebeskummer etc.“

„Ja, zeitweise fast suchtartiges Verhalten an einem MMORPG. Morgens ran und während des Frühstücks schon etwas gespielt, dann mit dem Zug zur Schule und sobald ich wieder zuhause war weitergespielt. Dadurch kam es zu einem starken Verlust an Freizeit und einem starken abnabeln von sozialen Kontakten. Hat sich aber zum Glück nach nem guten halben Jahr gelegt. Ansonsten kam zu den Veränderungen noch eine Gewichtszunahme die aber zum Glück noch korrigierbar war^^“

„Dass ich immer einen ohrwurm hatte von der spielemusik und dass ich angefangen habe die sprüche der spielfiguren nachzuquatschen“

„Ja, bei einem autorennspiel. Als ich danach schlafen ging, sah ich die rennbahn immernoch vor augen, obwohl sie zu waren. ausserdem hatte ich das gefühl wie das auto mit dem körper zu gleiten, also nach links und rechts leichte ausschwingungen.“

Fandest du ein Spiel in der Darstellung schon einmal zu aggressiv/gewaltverherrlichend? Wenn ja, in wie fern?

„Auf jeden Fall. Wenn z.B. Gegner mit Kettensägen niedergestreckt werden können. Letzendlich sind die heutigen Horror- und Psychofilme heftiger als jedes Computerspiel. Die Realität in Spielen ist nochmal eine andere.“

„Ich vermeide solche Spiele generell. Aber bei Mario taten mir immer die Enten leid, wenn ich draufgesprungen bin.“

„Ja, bei einem trailer eines Spiels sah man wie ein Kind aufgespießt wurde und das Geschwisterkind musste zu sehen.“

„Keine realisitische Darstellung von Schmerz; gezieltes Töten statt kampfunfähig machen“

Welches Computerspiel würdest du deinen Kindern (bis 12 Jahre) verbieten?

„Alle Spiele, in denen bewusst Gewalt passiert (Andere auf irgend eine Weise umbringen oder verprügeln etc…)“

„Alle, wo sie mit Waffen auf Leute oder Tiere zielen. Strategiespiele a la Anno sind ok.“

„Da gibts viele xD Definitiv Egoshooter. Ansonsten würde ich mir GEMEINSAM mit meinem Kind angucken, was es so spielt und dann entscheiden.“

„Spiele verbieten ist immer so ’ne Sache, oft macht das keinen Sinn. Allerdings würde ich versuchen, gewaltverherrlichende Spiele von ihnen fernzuhalten, bis sie psychisch damit umgehen können.“

„ich lasse meine Kinder nicht Computer spielen – ich lasse sie lieber Sport machen oder musizieren.

(Die Antworten wurden vom Originaltext kopiert, daher können eventuelle Rechtschreibfehler vorkommen.)

Interview

 

computerspielsammlung

„Viele Philosophen und Theoretiker sagen, dass Spielen eines der ältesten Kulturmerkmale der Menschheit schlechthin ist. Dass wir nun mit dem omnipräsenten Alltagsgegenstand Computer spielen, ist nicht nur sehr wichtig sondern auch vollkommen normal.“  (Michael Liebe, digarec)


Schräg gegenüber von Sanssouci und den stattlichen Bauten der Universität Potsdam:
Ein kleiner, mausgrauer Baucontainer, der sich zudem – wie aus Scham – hinter wild wachsender Botanik versteckt. Kein Tourist der sich hierher verirrt.
Dass dieser unscheinbare Flachbau modernste Forschung beherbergen soll, ist kaum vorstellbar. Aber das Schild am Eingang verjagt jeden Zweifel: Hier befindet sich das Zentrum für Computerspielforschung der Universität Potsdam, oder in Fachsprache „Digital Games Research Center“, woraus sich auch der Name „digarec“ ableitet.
In diesem deutschlandweit einzigartigen Knotenpunkt aus Medienwissenschaft, Medienrecht, Design, Informatik und Pädagogik/ Psychologie, der gleichzeitig Teil eines internationalen Netzwerks aus verschiedenen Forschungseinrichtungen ist, sitzen wir etwas beengt auf Bürostühlen und Rollcontainern und inmitten riesiger Kistentürme. Denn hier, so erfahren wir gleich, wird nicht nur geforscht, sondern vor allem auch gesammelt. Aktuell über 5000 Computerspiele befinden sich im Besitz des digarec und durch Unterstützung verschiedener Spieleverleger (im durchweg englischen Fachjargon liebevoll „publisher“ genannt) werden es täglich mehr. Obwohl ja eigentlich alles nur als studentisches Hilfsprojekt begann und erst durch die 2000-Spieletitel-Spende eines Hamburger Journalisten richtig ins Rollen kam.
Da hocken wir also im sprichwörtlich kreativen Chaos und bekommen unsere nun vollends wirren Köpfe von zwei sympathischen jungen Herren, dem Leiter Michael Liebe und dem Projektassistent Sebastian Möring, zumindest schon einmal vorsortiert:
Dass die Einrichtung schon seit 2007 besteht, damals aber noch Netzwerk hieß, und dass es seit 2008 nun doch offizielles Forschungszentrum der Universität Potsdam ist (sehr wichtig wegen den finanziellen Zuwendungen). Dass seitdem Heerscharen von Studenten Leib und Leben investieren, um bspw. Mediengewalt und Langzeitwirkungen zu untersuchen oder wii-Spiele in Altersheimen populär zu machen. Und dass Counterstrike mehr mit Fussball gemein hat als man zuerst annimmt.
Im Wellblechcontainer ist alles denkbar.

Michael Liebe hat viel zu erzählen, über den Einfluss von Computerspielen auf die Gesellschaft zum Beispiel. Und über das Finden neuer Kategorien zur Erschliessung und Katalogisierung der Medienflut, die das kleine Büro schon ganz einnimmt. Über sogenannte „Indie-Games“, unabhängig von den großen „publishern“ veröffentlichte Spiele, die versuchen, die starren bestehenden Genres aufzubrechen und ganz neue Arten von Spielerlebnissen zu schaffen. Über das Computerspielemuseum in Berlin/Friedrichshain, das erste offiziell staatlich anerkannte auf der ganzen Welt. (Gehegt und gepflegt vom einzigen „Gamer-Bibliothekar“ Andreas Lange stapeln sich dort auch alte Konsolen und diverse Hardware, die von unseren engagierten „digarecs“ auch gerne mal zu Forschungszwecken entliehen wird.)
Man merkt ihnen an, dass hier ihr Leben spielt. Ob sie denn nicht den ganzen Tag versucht seien, die Jalousien herunterzulassen und nur zu zocken, fragen wir sie. Und obwohl dies ja durchaus als „Forschung am Gegenstand“ an der Tagesordnung sei, wie Michaels Kollege Sebastian Möring lachend einwirft, lautet die Antwort „nein“ . Da gäbe es passendere, gemütlichere Orte als diesen hier. Wir verstehen schon.

 

kisten

Zum Weiterlesen:
-DIGAREC Series (Publikationsreihe im Universitätsverlag Potsdam)
„Conference Proceedings of the Philosophy of Computer Games 2008“ (ed.by Stephan Günzel, Michael Liebe and Dieter Mersch, with the editorial coorperation of Sebastias Möhring. Potsdam University Press, 2008)

Partnerevents:
– A Maze. Festival zur Konvergenz von Computerspiel und Kunst
– Wissenschaftsforum der Deutschen Gamestage/ Quo Vadis

www.digarec.org
www.computerspielemuseum.de/

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